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Wir hätten dir so gern
ein besseres Leben gewünscht.

APOLLO

Deutscher Schäferhund Apollo

29.07.2021–26.04.2023

Ein schlechter Start ins Leben

Apollo wurde am 29. Juli 2021 geboren. Bereits mit sieben Wochen wurde er auf einem Bauernhof für kleines Geld „über den Zaun“ verkauft. Er sollte das Geburtstagsgeschenk für einen 17-Jährigen sein, der sich schon als Kind einen Hund gewünscht hatte.

Doch die anfängliche Begeisterung hielt nicht lange an. Freundin, Freunde und die begonnene Ausbildung wurden wichtiger, für den jungen Schäferhund blieb immer weniger Zeit. Schließlich verbrachte Apollo seine Tage weitgehend allein und isoliert in einem Zimmer.

Unter diesen Bedingungen entwickelten sich erste Verhaltensauf-fälligkeiten. Apollo begann, Mobiliar zu benagen. Besonders auffällig war das ständige Jagen seiner eigenen Rute: Er drehte sich im Kreis und biss nach seinem Schwanz.

Schließlich beendete die Großmutter diese Situation und suchte nach einer neuen Unterbringung für Apollo. Doch kein Tierheim war bereit, den jungen Hund aufzunehmen. Auch Interessenten, an die Apollo weitergegeben wurde, brachten ihn bereits nach zwei Tagen wieder zurück.

So kam Apollo Ende April 2022, gerade einmal neun Monate alt, zu uns.

Wenn Herkunft Spuren hinterlässt

Apollo war ein sogenannter „Vermehrerhund“ – mit nur sieben Wochen wurde er für kleines Geld auf einem Bauernhof abgegeben.
 

Bei solchen Würfen stehen häufig weder eine verantwortungsvolle Zucht noch die Gesundheit der Elterntiere, eine sorgfältige Aufzucht und eine gute Sozialisierung der Welpen im Mittelpunkt. Untersuchungen der Elterntiere auf mögliche Erbkrankheiten fehlen oftmals ebenso wie eine sorgfältige Sozialisierung und Gewöhnung an Umweltreize.
 

Die Folgen können die Hunde ein Leben lang begleiten: gesundheitliche Probleme, Unsicherheiten, Schwierigkeiten im Sozialverhalten oder eine geringe Belastbarkeit.
 

Nicht jedes spätere Problem lässt sich auf die Herkunft zurückführen. Doch ein verantwortungsvoller Start ins Leben schafft Voraussetzungen, die Apollo nicht hatte.

Der Beginn eines neuen Weges

Da zunächst kein geeigneter Pflegeplatz frei war, wurde Apollo vorübergehend auf einer Pflegestelle des Tierheims Zwickau untergebracht. Anfang Juni konnte er schließlich nach Frankfurt zu unserem Trainer umziehen.

Dort lernten wir Apollo erst richtig kennen.

Er war ein menschenbezogener, freundlicher junger Schäferhund, der die Nähe zu Menschen sehr genoss. Er liebte es, gestreichelt und gekrault zu werden und war grundsätzlich gut mit anderen Hunden verträglich.

Deutscher Schäferhund Apollo

Auch gemeinsame Beschäftigung machte ihm große Freude. Beim Laufen am Fahrrad zeigte er sich erstaunlich gelassen und führig. Besonders viel Spaß hatte Apollo am Mantrailing. Er verstand schnell, worum es ging, und arbeitete begeistert mit.

Gleichzeitig wurde deutlich, wie viel Apollo in seinem ersten Lebensjahr versäumt hatte. Er musste erst lernen, sich am Menschen zu orientieren, seine Impulse zu kontrollieren und mit Frustration umzugehen.

Deutscher Schäferhund Apollo

Eine Verhaltensauffälligkeit gibt Rätsel auf

Besonders große Sorgen bereitete weiterhin das Kreisen und Jagen seiner eigenen Rute.

In weniger ausgeprägten Situationen ließ Apollo sich noch ansprechen und aus seinem Verhalten herausholen. In starken Erregungszuständen steigerte er sich jedoch regelrecht hinein: Er drehte sich im Kreis, verbiss sich in seine Rute, kreischte und biss sich teilweise direkt am Rutenansatz.

In diesen Momenten war er kaum noch erreichbar. Um ihn selbst und die Menschen in seiner Umgebung zu schützen, wurde Apollo an das Tragen eines Maulkorbs gewöhnt.

 

Zunächst lag die Vermutung nahe, dass es sich um eine Stereotypie handeln könnte, begünstigt durch seine isolierte Haltung und die fehlende Beschäftigung in seinem ersten Lebensjahr.

Doch wir wollten sicher sein und auch körperliche Ursachen ausschließen.

Deutscher Schäferhund Apollo

Apollo und das rätselhafte Verhalten

 

Das Video zeigt, wie sich Apollos auffälliges Verhalten damals äußerte.

Deutscher Schäferhund Apollo

Die ersten medizinischen Befunde

Da Apollo auch körperlich auffällig war und hinten unrund lief, wurde er tierärztlich untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass er unter einer schweren Hüftgelenksdysplasie (HD) litt. Zeitweise zeigte er auch vorne ein auffälliges Gangbild.

Wir versuchten zunächst, ihn durch gezielten Muskelaufbau und regelmäßiges Ausdauertraining körperlich zu stabilisieren. Gleichzeitig arbeitete sein Trainer weiter mit ihm an seinen Verhaltensproblemen.

Und Apollo machte Fortschritte. Seine Ruhephasen wurden länger, er lernte, sich stärker an seinem Menschen zu orientieren, und zeigte immer wieder, welches Entwicklungspotenzial in ihm steckte.

Unsere Hoffnung blieb, für diesen jungen Hund irgendwann ein geeignetes, ruhiges Zuhause zu finden.

Deutscher Schäferhund Apollo
Deutscher Schäferhund Apollo

Die Suche nach der Ursache geht weiter

Doch das Kreisen und Jagen seiner eigenen Rute blieb. Deshalb wurde Apollo schließlich in der Tierklinik Hofheim vorgestellt, um mögliche körperliche oder neurologische Ursachen genauer abzuklären.

Ein MRT des Schädels blieb zunächst ohne auffälligen Befund. Neben den bereits bekannten schweren Problemen an den Hüften wurde jedoch ein Cauda-equina-Syndrom diagnostiziert.

 

Da Apollo zunehmend auch vorne lahmte, standen weitere orthopädische Probleme im Raum.

Damit rückten seine körperlichen Beschwerden immer stärker in den Mittelpunkt. Gleichzeitig blieb eine entscheidende Frage offen: War das Rutenjagen tatsächlich eine erlernte Stereotypie – oder spielten Schmerzen und neurologische Probleme eine größere Rolle, als wir zunächst angenommen hatten?

Apollo zog schließlich auf eine neue Pflegestelle, auf der eine intensive Betreuung rund um die Uhr möglich war. Wir hofften, dass ihm die ruhigere Umgebung, die engmaschige Begleitung und eine angepasste medizinische Versorgung helfen würden.

Doch schon bald zeigte sich, wie ernst seine Situation tatsächlich war. Die bisherige Schmerzmedikation reichte nicht aus. Immer wieder begann Apollo zu kreisen und nach seinem Hinterteil zu beißen. Häufig gingen diesen Attacken intensive Blicke auf seine Hinterhand voraus – als würde ihn dort etwas quälen.

Deutscher Schäferhund Apollo

Als die Hoffnung zu schwinden begann

Auch nachts kam er kaum zur Ruhe. Er bellte in seiner Box und fixierte immer wieder seine Hinterhand. Die Episoden wurden heftiger, und Apollo versuchte zunehmend, sich selbst zu beißen.

Der behandelnde Tierarzt leitete eine umfangreiche Schmerztherapie ein. Zusätzlich wurden ein Physiotherapeut und ein Osteopath hinzugezogen. Wir versuchten alles, um seine Beschwerden zu lindern und ihm wieder mehr Lebensqualität zu geben.

Doch trotz aller Maßnahmen blieben die erhofften Fortschritte aus.

Apollo hatte Schmerzen – und wir mussten uns zunehmend der Frage stellen, ob wir ihm überhaupt noch dauerhaft helfen konnten.

Deutscher Schäferhund Apollo

Noch einmal wollten wir nichts unversucht lassen. Apollo wurde erneut in einer Tierklinik vorgestellt. Wir hofften immer noch, eine behandelbare Ursache zu finden – vielleicht sogar eine Möglichkeit, ihm mit einer Operation dauerhaft helfen zu können.

Doch die Untersuchungen brachten keine gute Nachricht. Im Vergleich zu den vorherigen Befunden hatte sich Apollos Zustand deutlich verschlechtert. Die Ataxie seiner Hintergliedmaßen war inzwischen stark ausgeprägt. Apollo konnte sich teilweise kaum noch aufsetzen.

Die Tierärzte vermuteten eine genetische Ursache für seine schweren neurologischen Probleme. Eine ausreichend wirksame Behandlung war nicht mehr möglich.

Damit wurde aus der Frage, wie wir Apollo helfen können, eine andere:

Wie viel Leid dürfen wir ihm noch zumuten?

Die letzte Hoffnung

Deutscher Schäferhund Apollo

Eine Entscheidung für Apollo

Deutscher Schäferhund Apollo

Die Schmerztherapie brachte nicht die erhoffte Entlastung. Immer wieder geriet Apollo in Zustände, in denen er seinen Hinterkörper fixierte, sich im Kreis drehte und versuchte, sich selbst zu beißen. Ein dauerhaft schmerzfreies Leben war für ihn nicht mehr möglich.

Gemeinsam mit den behandelnden Tierärzten und in Absprache mit den zuständigen Stellen mussten wir schließlich eine Entscheidung treffen, die niemand treffen möchte.

Wir entschieden uns, Apollo weiteres Leiden zu ersparen.

Am 26. April 2023 durfte Apollo zuhause, in vertrauter Umgebung und im Beisein seines Pflegefrauchens gehen. Sein Tierarzt erlöste ihn von seinen Schmerzen.

Apollo wurde nur 21 Monate alt.

Deutscher Schäferhund Apollo
Deutscher Schäferhund Apollo
Deutscher Schäferhund Apollo

Apollo – ein besonderer Hund auf seinem Weg

Dieses Video zeigt die zwei Seiten, die Apollos kurze Geschichte geprägt haben: einen jungen, lebensfrohen Schäferhund, der spielte, lernte und die Gesellschaft anderer Hunde genoss – und zugleich das rätselhafte Kreisen und Rutenjagen, das uns von Anfang an große Sorgen bereitete.

Damals wussten wir noch nicht, welche Bedeutung dieses Verhalten einmal bekommen würde.

Was von Apollo bleibt

Apollo hat uns nur ein Jahr begleitet. Und doch gehört er zu den Hunden, die unsere Arbeit nachhaltig geprägt haben.

Seine Geschichte hat uns gezeigt, wie schwer es manchmal ist, Verhalten und körperliches Leiden voneinander zu unterscheiden. Was zunächst wie eine erlernte Verhaltensauffälligkeit erschien, bekam mit der Zeit eine ganz andere Bedeutung. Apollo hat uns gelehrt, genauer hinzusehen, weiterzufragen und nicht bei der ersten Erklärung stehen zu bleiben.

Wir konnten ihm nicht das lange und unbeschwerte Leben schenken, das wir uns für ihn gewünscht hatten. Aber wir konnten dafür sorgen, dass er nicht mehr allein war. Er wurde begleitet, gefördert und medizinisch versorgt. Er durfte laufen, spielen, arbeiten, den Wald und das Wasser entdecken – und erfahren, wie es ist, Menschen an seiner Seite zu haben, die Verantwortung für ihn übernehmen.

Am Ende bedeutete diese Verantwortung auch, eine Entscheidung zu treffen, die uns sehr schwerfiel.

Apollo hat uns gezeigt, dass Tierschutz nicht immer bedeutet, ein Leben retten zu können. Manchmal bedeutet er, alles zu versuchen – und einen Hund auch dann nicht im Stich zu lassen, wenn man ihn nicht retten kann.

Wir hätten dir so gern ein besseres Leben gewünscht, Apollo.
Vergessen werden wir dich nicht.

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