

Manchmal braucht es mehr als Medizin.
Mentos

Ein Hund, der immer weniger wurde …
Als Mentos Ende August 2020 nach dem Tod seines Herrchens zu uns kam, war er bereits sehr dünn. Zunächst hielten wir seinen Zustand für eine Folge des Verlustes und der großen Veränderung in seinem Leben.
Doch Mentos nahm weiter ab. Trotz reichlichen Futters. Trotz tierärztlicher Betreuung. Trotz immer neuer Untersuchungen.
Und niemand konnte erklären, warum.
Die Suche nach einer Ursache
Mentos war inzwischen seit Wochen in tierärztlicher Betreuung. Doch obwohl er ausreichend fraß, nahm er nicht zu – im Gegenteil: Er wurde immer dünner und auch der Muskelaufbau blieb deutlich hinter dem zurück, was zu erwarten gewesen wäre.
Es folgte eine Untersuchung nach der anderen. Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse und die übrigen Organe zeigten keine Auffälligkeiten. Auch Tumorerkrankungen konnten nach weiteren Untersuchungen ausgeschlossen werden.
Weil der Verdacht auf Muskelschwund im Raum stand, wurde Mentos geröntgt und es wurden mehrere Gewebeproben für eine Muskelbiopsie entnommen. Doch auch dieser Verdacht bestätigte sich nicht.
Am 20. Oktober 2020 lautete der damalige Stand: Mentos ist körperlich gesund.
Eine Antwort auf die entscheidende Frage hatten wir trotzdem nicht:
Warum wurde dieser Hund immer dünner?

Nur einen Tag später änderte sich alles.
In der Nacht bemerkte seine damalige Pflegestelle, dass es Mentos plötzlich schlecht ging. Der Verdacht: Magendrehung.
Da die zunächst aufgesuchte Klinik keinen erfahrenen Operateur im Nachtdienst hatte, wurde Mentos in die Klinik der FU Berlin überwiesen und dort noch in derselben Nacht operiert.
Die Operation verlief gut. Bereits wenige Tage später durfte Mentos die Klinik wieder verlassen.
Doch damit war die eigentliche Frage noch immer nicht beantwortet. Die Magendrehung war überstanden – aber Mentos nahm weiterhin ab.
Weitere Untersuchungen, unter anderem eine Untersuchung des Darms, sollten endlich klären, warum dieser junge Hund trotz Futter und intensiver medizinischer Betreuung immer weniger wurde.
Wir suchten weiter nach einer Krankheit.
Und ahnten noch nicht, dass die entscheidende Veränderung ganz woanders beginnen würde.
Einen Tag später: Magendrehung

Manchmal braucht es mehr als Medizin
Nach all den Untersuchungen und der überstandenen Magendrehung war noch immer nicht klar, warum Mentos einfach nicht zunahm.
Im Januar 2021 wechselte er deshalb noch einmal die Pflegestelle. Er kam in ein privates, familiäres Umfeld – zu Menschen, die ihn genau beobachten konnten und ihm vor allem eines gaben: Ruhe und Nähe.
Und plötzlich geschah etwas, womit nach den vergangenen Monaten kaum noch jemand gerechnet hatte.
Mentos kam zur Ruhe.
Die zuvor beschriebene starke Unruhe zeigte er dort nicht. Er schlief ruhig, suchte die Nähe seiner Bezugsperson und begann, sich erstaunlich schnell zu erholen.
Innerhalb von nur zwei Wochen nahm Mentos ohne Medikamente rund 2,5 Kilogramm zu.
Nach Monaten voller Untersuchungen, Sorgen und immer neuer medizinischer Fragen zeichnete sich auf einmal eine ganz andere Erklärung ab:
Vielleicht war Mentos nicht der schwer kranke Hund, für den wir ihn inzwischen halten mussten.
Vielleicht brauchte er vor allem einen Ort, an dem er zur Ruhe kommen konnte.

Und dann ging plötzlich alles erstaunlich schnell.
Mentos erholte sich zusehends. Er nahm weiter zu, gewann an Kraft und zeigte immer deutlicher, welcher Hund eigentlich in ihm steckte: ein freundlicher, menschenbezogener Schäferhund, der sich sehr schnell an eine Bezugsperson band.
Natürlich war damit nicht von heute auf morgen alles erledigt. An der Leinenführung musste gearbeitet werden, und auch körperlich sollte Mentos weiter aufgebaut werden.
Doch nach all den Monaten voller Sorgen war erstmals etwas anderes möglich:
Wir konnten wieder über seine Zukunft nachdenken.
Und diese Zukunft ließ nicht lange auf sich warten.
Eine Familie wurde auf Mentos aufmerksam, die kaum besser zu ihm hätte passen können. Ulla war Tierärztin, hatte Erfahrung mit Schäferhunden – und im neuen Zuhause wartete mit Schäferhündin Aischa sogar schon eine vierbeinige Gefährtin auf ihn.
Das Kennenlernen der Hunde verlief problemlos.
Aus unserem Sorgenkind wurde plötzlich ein Hund, für den wir wieder ein Zuhause suchen konnten.
Der Wendepunkt


Manchmal kommt es anders, als man denkt
Denn eigentlich war Mentos gerade erst in seiner neuen Pflegestelle angekommen. Doch dort entwickelte sich alles schneller als erwartet.
Ulla und Frieder hatten Mentos kennengelernt und sich in den großen Schäferhund verliebt. Ulla war Tierärztin, hatte Erfahrung mit Schäferhunden und wusste genau, worauf sie sich mit Mentos einließ.
Auch die wichtigste vierbeinige Mitbewohnerin hatte bereits ihr Einverständnis gegeben: Schäferhündin Aischa. Das Kennenlernen der beiden verlief problemlos.
So wurde aus der neuen Pflegestelle schneller als gedacht etwas ganz anderes.
Am 23. Januar 2021 zog Mentos in sein endgültiges Zuhause.
Und dort setzte sich fort, was kurz zuvor begonnen hatte. Er nahm weiter zu, kam immer mehr zur Ruhe und entwickelte eine enge Bindung zu seinen Menschen.
Später brachte Mentos 36,2 Kilogramm auf die Waage. Er bekam Physiotherapie, ging zum Schwimmen und besuchte die Hundeschule.
Vor allem aber hatte unser Sorgenkind etwas gefunden, wonach wir während all der Untersuchungen gar nicht gesucht hatten:
Seine Menschen. Seine Hundefreundin. Und einen Ort, an dem er bleiben durfte.
Was Mentos’ Geschichte zeigt
Monatelang suchten wir nach der Ursache dafür, warum Mentos immer dünner wurde. Es folgten Untersuchungen, Klinikaufenthalte, eine Muskelbiopsie und schließlich sogar die Notoperation nach seiner Magendrehung.
Wir suchten nach einer Krankheit.
Doch erst als Mentos zur Ruhe kam, begann sich etwas zu verändern. Er nahm zu, gewann wieder Kraft und zeigte uns, welcher Hund die ganze Zeit in ihm gesteckt hatte.
Seine Geschichte erinnert uns daran, dass man einen Hund nicht nur medizinisch betrachten kann. Körper und Seele gehören zusammen. Manchmal braucht es Diagnostik und Behandlung – und manchmal zusätzlich Ruhe, Sicherheit und die richtigen Menschen.
Aus unserem Sorgenkind wurde ein Hund, der wieder mitten im Leben stand.
Mentos brauchte mehr als Medizin.
Er brauchte einen Ort, an dem er ankommen konnte.
Und genau den hat er gefunden. ❤️🐾