

Manchmal entscheidet das Leben, wo man hingehört.
Romeo

02.02.2012 – 16.04.2026
Eigentlich sollte Romeo weiterziehen …
Romeo sollte irgendwann noch einmal in ein eigenes Zuhause ziehen. Doch zahlreiche gesundheitliche Rückschläge änderten alles. Aus einem Vermittlungshund wurde ein Gnadenhund – und bei Sandra hatte er längst seine Familie gefunden.
Ein großer Kerl mit einer langen Baustellenliste
Romeo entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem unserer medizinisch aufwendigsten Hunde. Nach einer Krallenentfernung folgten zwei weitere Notoperationen und eine lange medikamentöse Nachbehandlung.
Dann kam die nächste Hiobsbotschaft: Magendrehung.
Zum Glück konnte Romeo in der AniCura Klinik Potsdam sofort behandelt werden. Bei der Operation stellte sich heraus, dass bereits die Milz gerissen war und entfernt werden musste.
Romeo – der kostenmäßige Porsche der ASH

Manche Hunde finden ihr Zuhause nicht durch eine klassische Vermittlung. Manchmal entscheidet das Leben selbst, wo ein Hund bleiben soll. Bei Romeo war es genau so.
Romeo kam zu uns mit der Hoffnung, ihm nach seiner Vorgeschichte noch einmal den Weg in ein eigenes Zuhause zu ermöglichen. Doch schon bald zeigte sich, dass dieser große Schäferhund nicht nur menschlich eine besondere Aufgabe werden würde.
Auch gesundheitlich hatte Romeo offenbar beschlossen, nichts auszulassen.


Zu diesem Zeitpunkt waren für seine tierärztliche Versorgung bereits Kosten von mehr als 15.000 Euro zusammengekommen.
Wir nannten ihn damals augenzwinkernd unseren „kostenmäßigen Porsche bei der ASH“.
Doch viel wichtiger als jede Rechnung war:
Romeo hatte auch diese Krise überstanden.
Und dann machten auch noch die Nieren schlapp
Als hätte Romeo bis dahin nicht schon genug erlebt, folgte der nächste gesundheitliche Rückschlag.
Seine Nieren versagten und Romeo musste notfallmäßig für drei Tage in die Klinik. Zahlreiche Infusionen waren notwendig, um ihn zu stabilisieren und wieder auf die Beine zu bekommen.
Spätestens jetzt war für uns klar: Eine weitere Vermittlung kam für Romeo nicht mehr infrage.
Romeo wurde Gnadenhund, und er blieb bei Sandra.

Aus Pflegestelle wurde Zuhause
Ganz ausgeschlossen hatten wir einen späteren Umzug zunächst noch nicht. Sollte Romeo sich gesundheitlich stabilisieren und sich im näheren Umkreis von Potsdam tatsächlich der perfekte Platz finden, hätten wir nach einem langen Kennenlernen einen Umzug noch einmal in Betracht gezogen.
Doch es kam anders.
Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monate – und aus einer Unterbringung wurde längst ein gemeinsames Leben.
Sandra kannte Romeo, seine Eigenheiten und seine gesundheitlichen Baustellen. Sie wusste, wann es ihm gut ging und wann etwas nicht stimmte. Vor allem aber hatte Romeo bei ihr etwas gefunden, das sich nicht in einem Vermittlungstext beschreiben lässt:
Sicherheit, Verlässlichkeit und seinen Menschen.
Manchmal muss man nicht mehr nach dem perfekten Zuhause suchen, weil der Hund längst dort angekommen ist.


Aus dem vorübergehenden Platz bei Sandra wurden mehr als fünf gemeinsame Jahre.
Romeo wurde älter – und sein Körper machte es ihm zunehmend schwer. Arthrose in Ellenbogen und Hüfte, Spondylose, neurologische Probleme und schließlich eine degenerative Myelopathie kamen zu all den gesundheitlichen Baustellen hinzu, die er ohnehin schon mitbrachte.
Auch eine beginnende beidseitige Zungenlähmung erschwerte ihm mit der Zeit das Fressen und Trinken. Sandra passte seinen Alltag immer wieder an seine Bedürfnisse an: Medikamente, Physiotherapie, Pfotenschutz, Verbände und besondere Fütterung gehörten irgendwann genauso dazu wie die regelmäßigen Tierarztbesuche.
Doch wer jetzt an einen alten Hund denkt, der nur noch still in seinem Körbchen lag, kennt Romeo schlecht.

Bis zum Schluss Zuhause
Der Büffel blieb der Büffel.
Er erinnerte zuverlässig an Fütterungszeiten, meldete nächtliche Toilettengänge an und hielt Mäuse und Ratten am Komposter für eine Angelegenheit von höchster Priorität. Mülltonnen wurden geplündert, Pakete untersucht und auch die Küche war vor ihm nicht unbedingt sicher.
Sein Körper wurde schwächer.
Sein Charakter nicht.
Noch im Sommer 2025 kämpften Sandra und Romeo mit einer hartnäckigen Verletzung an seiner Pfote. Die Wundheilung verlief schlecht, neurologische Untersuchungen bestätigten schließlich die degenerative Myelopathie. Medizinisch ließ sich irgendwann nicht mehr alles reparieren.
Aber Romeo war weiterhin munter, interessiert und vor allem eines:
mittendrin.
Sandra schrieb damals sinngemäß, ihre Aufgabe sei es, bei allem, was noch kommen würde, in seinem Sinne zu handeln – auch wenn das nicht immer leicht sei.
Genau das tat sie - bis zum Schluss.

Mach’s gut, Büffel
Am 16. April 2026 kam der Moment, vor dem sich jeder fürchtet, der einen alten Hund begleitet.
Mit 14 Jahren und drei Monaten war Romeos Körper am Ende seines langen Weges angekommen.
Er hatte eine Magendrehung überlebt. Nierenversagen. Zahlreiche Operationen. Arthrose, HD und ED, neurologische Erkrankungen, eine Teilamputation der Pfote und vieles mehr.
Immer wieder hatte er sich zurückgekämpft.
Doch irgendwann bedeutet Liebe auch, nicht mehr um jeden weiteren Tag zu kämpfen.
Sandra ließ Romeo gehen.
Satt, zufrieden und – wie es sich für den Büffel gehörte – mit paradiesischen Mengen an Keksen.
Fünf Jahre und vier Monate hatte Romeo bei Sandra gelebt. Was ursprünglich als Pflegestelle begonnen hatte, war längst sein Zuhause geworden.
Er hinterließ unzählige Geschichten, über die man auch heute noch schmunzeln kann. Aber vor allem hinterließ dieser gutmütige, geradlinige und wunderbar sture Hund eine Lücke.
Ein Hund, der medizinisch wohl tatsächlich ein Montagsmodell war – und charakterlich ein ganz Großer.
Mach’s gut, großer Junge. Du fehlst.

Romeos Geschichte zeigt, dass ein Happy End nicht immer so aussieht, wie man es ursprünglich geplant hat.
Er sollte weiterziehen und noch einmal ein eigenes Zuhause finden. Doch das Leben hatte einen anderen Plan.
Aus seiner Pflegestelle wurde sein Zuhause. Aus Sandra wurde sein Mensch. Und der Hund mit den unzähligen gesundheitlichen Baustellen wurde zu einem Familienmitglied, das mehr als fünf Jahre lang nicht mehr weiterziehen musste.
Romeo war ein medizinisches Montagsmodell, ein kleiner Dickkopf, ein Büffel mit ganz eigenen Ideen – und ein Hund, der sich immer wieder zurück ins Leben kämpfte.
Bei Sandra durfte er einfach Romeo sein.
Nicht mehr weiterzumüssen.
Nicht mehr irgendwo ankommen zu müssen.
Sondern längst angekommen zu sein. ❤️